Neues Innenstadtkonzept von Ikea


Neues Innenstadtkonzept von Ikea
Mit Ikea assoziiert man schwedische Möbel, leckere Fleischbällchen und labyrinthartige Verkaufsflächen, auf denen es neben Teelichtern noch viele andere tolle Dinge zu shoppen gibt. Allerdings wird niemand jemals zu Fuß zu einem Ikea Möbelhaus gegangen sein, weil diese nämlich immer ziemlich weit "draußen" liegen – außerhalb der Stadt, im Industriegebiet oder den Randzonen. 

Das könnte sich mit dem neuen Ikea-Konzept für Innenstädte in naher Zukunft ändern. Der schwedische Möbelkonzern plant ein neues Innenstadtkonzept, welches bundesweit mitten in den Städten mit viel kleineren Verkaufsflächen ausgerollt werden soll. 

Doch der Reihe nach: Die Ikea-Filialen, die es bis jetzt in Deutschland gibt, wurden auf großen Flächen außerhalb der Stadt erbaut, weil man für die Ausstellung der Möbel und die vielen Autos der Besucher schließlich Platz brauchte. Ikea ließ die Märkte bis jetzt strategisch clever in der Nähe der Autobahn bauen, so dass auch Besucher aus den umliegenden Orten zu den Möbelhäusern fanden und man so die Besucheranzahl maximieren konnte. 

Mit Eingliederung der Gastronomie-Konzepte wurde die schwedische Möbelkette vollends zu einem beliebten Publikumsmagnet und Anlaufpunkt für Groß und Klein, bei dem man nicht nur gut einkaufen, sondern mit der ganzen Familie auch noch lecker essen gehen konnte. 

Da sich aber die Einkommensverhältnisse und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den letzten zehn Jahren verändert haben, möchte Ikea auf womöglich ausbleibende Kunden reagieren und setzt auf ein neues Konzept, welches eine andere Zielgruppe ansprechen soll. 

Ausschlaggebende Faktoren dafür sind beispielsweise, dass immer weniger Menschen ein eigenes Auto besitzen und mehr Menschen in die Städte ziehen. 

So sollen neue Märkte in den Innenstädten entstehen, mit fundamental abgeändertem Konzept. Dieses sieht vor, dass es keine Zimtschnecken, Hotdogs oder ähnliche Verpflegung mehr gibt, dafür aber Einlass mit konkreten Terminen und ein ausgewähltes Möbelsortiment auf einer kleineren Fläche ohne Labyrinth-Gefahr. Klingt plausibel und auf den schnelllebigen Innenstadt-Lifestyle angepasst – in Berlin existiert schon einer dieser Innenstadt-Ikeas und auch der Ikea Potsdam hat gerade eröffnet. Weitere dieser Filialen sind in anderen deutschen Großstädten geplant.

Möglicherweise hat die Geschäftsführung von Ikea erkannt, dass ihnen mit den Möbelhäusern in der Peripherie eine gesamte Kundengruppe "flöten" geht, nämlich die, die mitten in der Stadt wohnen und sich lieber öffentlichen Verkehrsmitteln sowie dem Fahrrad bedienen, um von A nach B zu kommen. Die großen Märkte liegen zwar oft in der Nähe der Autobahn, jedoch hat keiner von ihnen eine eigene Bushaltestelle oder ÖPVN-Anbindung. 

Ein eingefleischter Stadtmensch würde also in keinem Fall die Mühen auf sich nehmen, die erforderlich wären, um einem Ikea-Markt am Wochenende einen Besuch abzustatten. Zumal es allgemein bekannt ist, dass die Ikea-typische Wegeführung und der große Besucherandrang viel Zeit kosten. 

Da Zeit ohnehin die neue Währung zu sein scheint, könnte das geplante Termin-Vergabe-Konzept bei der Kundschaft gut ankommen. Die Vision dabei: Küchen- und sonstige Möbelplanung in Ruhe auszuführen, ohne Ablenkung durch ein Dutzend anderer, wartender Besucher; entspannte Verkäufer, zufriedene Kunden. 

Verpflegung braucht es nicht, da es in Innenstädten per se genügend Möglichkeiten zum Snacken gibt und die meisten Besucher nicht hungrig in den Laden kommen. 

Eine riesige Verkaufsfläche braucht es auch nicht, da im Vorfeld die Highlights der aktuellen Möbelkollektion ausgesucht und dementsprechend nur diese ausgestellt werden. 

Das neue Konzept bedeutet eine Reduzierung auf das Wesentliche also, die dem hektischen Innenstadt-Treiben entgegenkommen und vor allem ganz neue Kundengruppen ansprechen könnte. 

Es bleibt abzuwarten, ob der schwedische Möbelkonzern ein Umdenken in den Köpfen deutscher Konsumenten auslösen kann und mit dem neuen Innenstadtkonzept den Erfolg einfahren wird, den man sich davon verspricht.